Von: Vijay Sapre am: 01.01.2009
Liebe Leserin, lieber Leser,
das Gute am Morgen danach ist, dass es immer noch einen nächsten Tag mit einen weiteren Morgen gibt – und man sich in der Regel spätestens dann wieder halbwegs wohlfühlt. Vielleicht ist dies ein guter Zeitpunkt, um mit etwas Abstand über das Phänomen Kater nachzudenken. Joan Acocella hat das auf eine ausgesprochen lesenswerte Weise getan und sich gewundert, dass es bis heute so wenig Linderung für ein so altes Leiden gibt. Vielleicht liegt es daran, dass die Erinnerung an den Kater zum Glück nicht dauerhaft ist: Einige Tage später ist sie, wie auch die guten Vorsätze, verblasst.
Mit guten Mahlzeiten ist das anders: Die Erinnerung daran bleibt lebendig und bunt. So erinnert sich Jay Rayner gerne an das Menü im elBulli zurück und erklärt auch, wie er dort einen Tisch bekommen hat. Michaela Schlagenwerth erinnert sich an Steckrüben, die Tante, den Onkel und den Großvater. Und James Meek erinnert an Borschtsch, die Suppe, die die Sowjetunion kulinarisch zusammenhielt und nicht mit ihr unterging.
Ich hatte ebenfalls einige unvergessliche Geschmackserlebnisse: Andree Köthe hat mir einen seiner Teller erklärt und natürlich auch gekocht – wie die Johannisbeeren mit den Kräutern im Mund zerplatzten, das spüre ich jedesmal wieder, wenn ich nur daran denke. Und als wir das Titelfoto aufnahmen, ließ ich mich überreden, die erste Prärieauster meines Lebens zu trinken. Was soll ich sagen? Es war gar nicht so schlimm. Ob es hilft, weiß ich allerdings nicht.
Welche Tipps haben Sie, um mit dem Kater fertigzuwerden?
Rezept: Mandelmakronen
Restaurant: Dichterstub'n im Park-Hotel Egerner Höfe
Wir stellen vor: Bouley, Albert


